Facebook: Warum Fanseiten plötzlich weniger Fans haben

Facebook siebt seit Mitte März deaktivierte oder gelöschte Konten auf Unternehmensseiten aus. Einer geschrumpften Anzahl von Fans steht eine gewachsene Verlässlichkeit der gewonnenen Daten gegenüber.

Mit steigenden Temperaturen trennt man sich offenbar leichter von Dingen, die man lange gehortet hat. Diese Frühjahrsputz-Logik erfasste vor kurzem auch Facebook: Am 15. März begann der Social-Media-Riese sämtliche Nutzer mit deaktivierten und gelöschten Konten aus den „Gefällt-mir“-Angaben der Unternehmens-Fanseiten zu entfernen. Als Kehrbesen dient eine Art neu eingestelltes Zählwerk für echte Fans.

Wie bei einem frisch geputzten Fenster bekommen die Unternehmen damit einen klareren Blick nach draußen, so das Hauptargument von Facebook. Zur Begründung heißt es: Die aktuellen Statistiken berücksichtigen nur noch die Fans, die der Unternehmensseite aktiv folgen. So entstehe ein deutliches homogeneres Bild der Zielgruppe. Das mache es auch leichter, über Funktionen wie „Lookalike Audiences“ Menschen zu erreichen, die den eigenen Fans ähneln. Oder anders gesagt: es gibt weniger Streuverluste bei Werbekampagnen auf Facebook.

Weniger Fans: Ein klares Bild der Zielgruppe

quintly-Analyse: Rückgang Facebook bei Fanpages mit bis zu einer Million Fans

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Auch von mehr Konsistenz ist die Rede, weil die gelöschten und deaktivierten Konten auch aus Einzelbeiträgen gefiltert werden. Die Kommentare und „Gefällt-mir“-Klicks der entsprechenden Kunden verzerrten das Bild auch hier nicht mehr. Insgesamt will Facebook eigenen Angaben zufolge seinen Kunden einen verbesserten Service bieten. Die neue Zählweise liefere aussagekräftigere Informationen und mache die Facebook-Seiten so für Unternehmen noch nützlicher.

quintly-Analyse: Rückgang Facebook bei Fanpages mit mehr als einer Million Fans

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Bei den Unternehmen trifft die Reinigungsaktion nicht nur auf Zustimmung. Das liegt vor allem daran, dass die Zahl der „Gefällt-mir“-Angaben auf den Unternehmensseiten gesunken ist. Eine Untersuchung des Social-Media-Analysten Quintly hat ergeben, dass Seiten mit mehr als einer Million Fans in den ersten Wochen etwa rund vier Prozent davon verloren haben. Bei Seiten mit weniger als einer Million belief sich der Verlust immerhin auf drei Prozent. In den Kommentaren wie zum Beispiel auf der Facebook-Unternehmerseite verschaffen viele Kunden ihrem Ärger Luft. Mindestens genauso viele befürworten das Vorgehen und hoffen, dass auch die gekauften „Gefällt-mir“-Angaben ausgesiebt werden. Zum Teil hätten Unternehmen in so genannten Klickfarmen Hunderterpacks von Likes erstanden und so den Anschein einer deutlich größeren Fangemeinde erweckt.

Deaktivierte Kunden im Standby-Modus

Beim Löschen aus den „Gefällt-mir“-Angaben der Unternehmensseiten folgt Facebook übrigens seiner generellen Unterscheidung zwischen deaktivierten und gelöschten Konten. Während beim Löschen eines Kontos nach spätestens 90 Tagen die meisten Informationen aus dem Netz verschwinden, speichert Facebook die Daten im Falle einer Deaktivierung so lange, bis der Kunde sein Konto wieder zum Leben erweckt. Diese Kunden tauchen dann auch wieder als Fans auf den Unternehmensseiten auf.

Fazit: Die (übrigens von Facebook angekündigte) Reinigungsaktion mag zwar manchen Unternehmer über die gesunkenen Fanzahlen lamentieren lassen. Demgegenüber stehen aber realistische und verlässliche Daten für die Planung weiterer Marketingmaßnahmen auf Facebook – so zumindest die Erklärung des Netzwerk-Riesen.

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Von |2018-07-27T13:37:52+00:0007.05.2015|Tags: , , |

Über den Autor:

Holger bringt mit seinem Team die Themen seiner Unternehmenskunden online - Als Spezialist für Online-Auftritte berät er im Bereich Social Media, Public Relations und Online Pressearbeit . Der Gründer und Geschäftsführer der Rings Kommunikation GmbH in Hamburg konzipiert und steuert Internet-Projekte für seine Kunden. Er arbeitet gerne "hands on" und verreist selten ohne Laptop, mobilen Internetzugang und Fotoapparat.