Seit dem Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) ist das Thema für viele Unternehmen kein „Nice-to-have“ mehr, sondern gesetzliche Pflicht. Doch Barrierefreiheit ist mehr als eine Compliance-Checkliste. Sie ist ein Zeichen von Qualität und Wertschätzung gegenüber allen Nutzer:innen. Aber wie läuft so eine Optimierung eigentlich ab? Wir werfen einen Blick hinter die Kulissen unseres Prozesses und zeigen Ihnen, wie wir Barrieren Schritt für Schritt abbauen.
1. Bestandsaufnahme: Was muss Ihre Seite leisten?
Bevor wir in den Code eintauchen, schauen wir uns das große Ganze an, um Ihren Online-Auftritt tiefergehend zu verstehen. Was ist das Ziel Ihrer Website? Sollen die Besucher:innen komplexe Formulare ausfüllen, Produkte im Shop kaufen oder sich durch Videos in einer Mediathek klicken?
Wir identifizieren die kritischen Nutzerpfade. Denn eine barrierefreie Startseite bringt wenig, wenn Besucher:innen später im Checkout-Prozess stecken bleiben, weil ein Button für sie unsichtbar oder mit der Tastatur nicht erreichbar ist.
2. Der automatisierte Scan: Die digitale TÜV-Prüfung
Im zweiten Schritt lassen wir professionelle Fachtools über Ihre WordPress-Seite laufen. Diese Scanner finden handwerkliche Fehler im Code Ihrer Seite, wie zum Beispiel:
- Fehlende Alternativtexte: Bilder ohne Beschreibung sind für Screenreader unsichtbar.
- Hierarchie-Fehler: Unlogische Abfolgen bei den Überschriften wirken wie ein falsches Inhaltsverzeichnis in einem Buch.
- Kontrastmängel: Zu schwache Farbunterschiede erschweren das Lesen bei Sehschwäche.
- Schriftgrößen: Informationen brauchen eine bestimmte Mindestgröße, damit sie wahrgenommen werden können.
Das ist ein effizienter Start, um die groben Schnitzer direkt zu eliminieren und eine saubere Basis für die Feinarbeit zu schaffen.
How-to: Die Barrierefreiheit Ihrer WordPress Website mit Google Lighthouse verbessern
Wir erklären, wie Sie das kostenfreie Tool “Google Lighthouse“ effektiv nutzen können, um die Barrierefreiheit Ihrer WordPress-Website zu verbessern. Mehr darüber hier in unserem Blog.
3. Technik-Optimierung: Interaktive Elemente zähmen
Jetzt geht es ans Eingemachte. Viele WordPress-Plugins sind leider „out of the box“ nicht barrierefrei. Wir optimieren die Technik so, dass sie auch ohne Maus voll bedienbar bleibt. Beispiele für solche Anpassungen sind:
- Formulare: Wir sorgen dafür, dass jedes Eingabefeld klar beschriftet ist. Wenn ein Fehler passiert, machen wir diesen auch für Menschen erkennbar, die farbliche Markierungen, wie beispielsweise ein rot markiertes Feld, optisch nicht wahrnehmen können.
- Slider: Wir stellen sicher, dass alle Slides per Tastatur ansteuerbar und durchblätterbar sind.
- Akkordeons: Wir gestalten Akkordeons und andere ausklappbare Texte so, dass ein Screenreader den Status ansagt: „Dieses Element ist gerade zugeklappt“ – und nach dem Klick: „Jetzt ist es geöffnet“.

4. Design-Optimierung: Barrierefreiheit, die gut aussieht
Barrierefreiheit bedeutet nicht, dass Ihre Seite langweilig aussehen muss. Es geht um exzellente Usability. Wir prüfen und optimieren:
- Sichtbare Fokus-Indikatoren: Wenn Sie sich mit der Tab-Taste durch eine Seite bewegen, zeigt ein deutlicher Rahmen jederzeit, wo Sie sich gerade befinden. Dies hilft Nutzer:innen, die keine Maus bedienen können, maßgeblich bei der Navigation der Website.
- Optimierte Design-Farben: Wir nutzen Tools, um sicherzustellen, dass das Kontrastverhältnis aller Designelemente den offiziellen WCAG-Standards entspricht, damit auch Personen mit eingeschränkter Sehkraft Ihre Seite nutzen können.
- Verzicht auf Farbe als einzige Information: Stellen Sie sich vor, ein Pflichtfeld im Formular wird nur durch rote Schrift markiert. Ein Nutzer mit einer Rot-Grün-Schwäche sieht diesen Unterschied eventuell nicht. Wir ergänzen solche Hinweise immer durch Symbole, z. B. ein Sternchen oder ein Icon, oder Text, damit die Information unabhängig von der Farbwahrnehmung ankommt.
5. Content-Optimierung: Bilder zum Sprechen bringen
Technik und Design sind das Gerüst, aber auch der Inhalt muss „verstehbar“ sein. In diesem Schritt gehen wir gemeinsam durch Ihre Mediathek und Texte:
- Alternativtexte (Alt-Texte): Wir pflegen für jedes relevante Bild eine Beschreibung ein. Ein Screenreader liest Alternativtexte vor, sodass auch Menschen mit Sehbehinderung wissen, was auf dem Teamfoto oder der Infografik zu sehen ist.
- Barrierearme PDFs: Auch PDFs müssen barrierefrei sein. Wir unterstützen Sie dabei, Ihre Dokumente entsprechend anzupassen.
- Link-Beschreibungen: Statt eines nichtssagenden „Hier klicken“ nutzen wir sprechende Links wie „Download unserer Leistungsübersicht (PDF)“.
Barrierefreiheit auf Social Media: Ein oft vernachlässigtes Thema
Auf Social Media sieht man immer wieder Posts, die keine Rücksicht auf Barrierefreiheit nehmen. Deshalb hat Jana aus unserem Team eine Online-Weiterbildung zur Erstellung barrierefreier Social Media Inhalte absolviert. Welche Tipps sie mitgenommen hat, erzählt sie hier auf LinkedIn.
6. Der finale Härtetest: Manueller Screenreader-Check
Kein Tool der Welt ersetzt den Menschen. Zum Abschluss testen wir Ihre Seite manuell mit einem Screenreader. Dabei prüfen wir beispielsweise die logische Struktur: Ergibt die Reihenfolge der Web-Inhalte Sinn, wenn man sie nur hört und nicht sieht? Kann man das Menü überspringen, um direkt zum Hauptinhalt zu gelangen? Dieser Test ist bei allen unseren Web-Projekten Pflicht. Erst wenn er bestanden ist, ist die Seite wirklich bereit für den Live-Gang.
Fazit: Barrierefreiheit ist ein Qualitätsmerkmal
Eine barrierefreie Website ist technisch sauberer und bietet allen Menschen – ob mit oder ohne Einschränkung – eine deutlich bessere User Experience. Nebenbei wird sie von Google besser gerankt und von KI-Crawlern besser verstanden. Inklusives Design ist kein Hindernis für Kreativität, sondern der Goldstandard moderner Webentwicklung.
Möchten Sie wissen, wie es um die Barrierefreiheit Ihrer aktuellen WordPress-Seite steht?
Lassen Sie uns gemeinsam einen Blick darauf werfen. Wir analysieren den Ist-Zustand und zeigen Ihnen den Weg zu einer inklusiven digitalen Präsenz.


