Gadget mit Sinn – die OrCam MyEye

Wer nicht gut sehen kann, hat es in der Regel nicht so leicht, ein unabhängiges Leben zu führen. Ein Blindenhund, ein Stock oder sehender Begleiter sind wichtig, um in unserer visuellen Welt zurechtzukommen. Aber die Digitalisierung, die so viele Bereiche unseres Lebens umgekrempelt hat und weiter umkrempeln wird, macht auch vor den Hilfsmitteln nicht Halt. Ein neues Hilfsmittel ist die OrCam MyEye.

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Dank der OrCam MyEye kann Saliya Kahawatte beispielsweise Zeitungsartikel vorlesen lassen.
Foto: Ehsan Bordbar

Unabhängiger trotz Sehbehinderung

Einer, der trotz hochgradiger Sehbehinderung immer recht unabhängig gelebt hat, ist Saliya Kahawatte. Hamburg, vor allem der Stadtteil Altona, ist “seine” Stadt, die er „auswendig kann“, wie er sagt. Aber als Vortragsredner, Unternehmensberater und Motivationstrainer spielt sich nur ein Teil seines Lebens in Hamburg ab. Der Rest im gesamten deutschsprachigen Raum – mindestens.

Außerhalb Hamburgs ist er stärker auf Hilfe angewiesen, um sich zu orientieren. Aber nicht immer steht ein sehender Helfer zur Verfügung. Dafür aber ein digitaler: die OrCam MyEye. Das kleine, 22,5g leichte Gerät wird am Brillenbügel befestigt und liest vor, worauf Saliya Kahawatte zeigt.

Voll auf’s Ohr

Eine Kamera in der OrCam nimmt auf, was vor ihrer Linse ist, und übersetzt es in gesprochene Sprache, die über einen dezenten Lautsprecher direkt ins Ohr des Benutzers ausgegeben wird. In normal belebten öffentlichen Plätzen hört selbst ein Mensch, der direkt daneben steht, kaum etwas vom Vorgelesenen. Denn die Ausgabe erfolgt präzise aufs Ohr und braucht daher nicht laut zu sein.

OrCam erkennt mehr als nur gedruckten Text

Die OrCam erkennt jeden gedruckten Text – womit gemeint ist, dass Handschriften nicht erkannt werden. Über Druckbuchstaben hinaus erkennt das System Geldscheine, Produkte, aber auch Gesichter.

Durch die Produkterkennung erleichtert das System dem Benutzer den Einkauf. Er oder sie muss nicht mehr anhand des Stellplatzes im Supermarkt und anhand der Form erraten, sondern bekommt über OrCam präzise Informationen darüber, was er in seinen Wagen legt.

Die Gesichtserkennung macht das System auch für andere eingeschränkte Personen interessant. Etwa für Gesichtsblinde. Die OrCam kann einhundert Gesichter erkennen und nennt die Namen der Personen.

Vorfreude

“Außerhalb Hamburgs erleichtert mir OrCam das Leben deutlich. Das ist wirklich super. Womit ich noch nicht ganz zufrieden bin: Mit Tabellen hat die OrCam noch so ihre Schwierigkeiten. Aber die Ingenieure sind dran, insofern ist das okay. Außerdem braucht man ja auch was, worauf man sich freuen kann.”, grinst Saliya Kahawatte.

Fakten zu OrCam MyEye

Zielgruppe: Sehbehinderte, hochgradig Sehbehinderte, Blinde, Analphabeten
Altersgruppen: vom Kind bis zum Senior
Gewicht: 22,5 g
Betriebssystem: Linux
Stromversorgung: Akku
Akku-Laufzeit: 1-2h im Dauerbetrieb
Erkannte Sprachen: jeweilige Landessprach, zusätzlich Englisch und Französisch
Preis: € 4.500,- zzgl. Mwst. (wird u.U. von Krankenkassen übernommen)

Von |2018-10-08T13:25:23+00:0030.08.2018|Tags: , , |

Über den Autor:

Markus Krause ist Kommunikationsberater und hilft seit über zehn Jahren Menschen und Unternehmen dabei, bei ihrer Zielgruppe Gehör zu finden und mit ihr in Dialog zu treten. Er veranstaltet Inhouse-Workshops zu Online-Themen wie Social Media und unterstützt unsere Agentur als Freier Mitarbeiter. Er ist außerdem aktives Mitglied der Toastmasters in Hamburg.