Tool-Tipp: Haare malen in Photoshop mit Pinseln und Hairbrushes

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Dieser Tool-Tipp zeigt dir, wie du Haare in Photoshop malst und wie du Hair-Brushes benutzt. Du lernst hier, wie du Haare zu deinem Freisteller hinzufügst, um ihn für eine Montage oder Composing zu perfektionieren und wie du ganze Haarpartien selbst malen kannst.

Digitales & Diverses

Im letzten Tool-Tipp – Haare freistellen für Montagen auf weiß und Composings hast du das Freistellen mit einer Kontrastmaske kennengelernt. Diese Art des Freistellens gehört zu den genauesten Möglichkeiten, besonders in Hinblick auf Haare. Doch auch hier stößt Photoshop manchmal an seine Grenzen, wenn die Haare des freizustellenden Objekts zu undeutlich und verschwommen sind. An dieser Stelle hilft nur, die Haare selbst zu malen.

Haare komplett selbst zu malen ist wohl am zeitaufwendigsten, doch das Endergebnis lohnt sich. Du kannst nur sparsame Details aus einzelnen Haaren kreieren oder komplette Strähnen und Haarverlängerungen hinzufügen. Der fertige Freisteller eignet sich anschließend für alle Arten von Foto-Montagen.

Einzelne Haare selbst malen mit dünner Pinselspitze

Zwei Fotos von freigestellten Haaren nebeneinander. Im ersten Foto ist der Freisteller nicht retuschiert, weshalb die Haarkante ungleichmäßig und unnatürlich aussieht. Im zweiten Foto ist der Freisteller durch zusätzlich eingezeichnete Haare retuschiert.
Beispiel: Haarkante direkt nach dem Freistellen (links), Optimierte Haarkante durch eingezeichnete Haare (rechts)

Vorbereitung und Grundierung

  • Öffne dir eine farbige Fläche unter deinem Freisteller, um besser sehen zu können, was du machst.
  • Öffne eine neue Ebene über dem Freisteller und nimm mit der Pipette eine Farbe aus den Haaren auf, die nahe am Rand des Freistellers ist.

Ausarbeitung und Details

  • Mit einem dünnen, spitzen Pinsel (je nach Bildauflösung etwa 1-3 pt) malst du nun selbst abstehende Haare nach. Das geht mit einem Stifttablett besonders gut. Wichtig beim Nachmalen der Haare ist, den Schwung des Haares, also die Richtung, in der die Haare gleiten, mit aufzunehmen. Du wirst schnell bemerken, dass die Haare überall auf dem Freisteller farblich changieren. Am Scheitel sind sie bestimmt heller als in Höhe des Halses. Du nimmst also parallel zur Bildhöhe, in der du malst, die Haarfarbe neu auf. Bei den ersten Strichen wirst du vielleicht denken „Oh je, wie sieht das denn aus?“. Das ist ganz normal – zeichne weiter. Du kannst die Deckkraft auf etwa 60% verringern und immer mehr Striche einzeichnen. Zeichne auch zusammenhängende Strähnen ein, also viele Striche nah beieinander und übereinander. Das gibt der Haarretusche einen natürlichen Look.
  • Vielen Menschen fällt es leichter, nur in eine Richtung Striche zu malen. Um es dir einfacher zu machen, kannst du das Bild rotieren lassen. Dazu klickst du auf das Hand-Icon ganz links und benutzt das „Ansichtdrehung-Werkzeug“.
  • Du kannst mehrere Ebenen übereinander öffnen und auf ihnen verschiedene Schichten von Details anlegen. Vorteil von mehreren Ebenen ist es, sie unabhängig voneinander zu verändern und ein- oder auszuschalten.

Abschluss

  • Wenn du zufrieden mit deinen Details bist, wählst du den Gaußschen Weichzeichner und stellst ihn auf einer niedrigen Stufe ein. Mit der Vorschau-Option kannst du die Veränderung in Echtzeit sehen. Dieser Weichzeichnungsfilter lässt die gemalten Haare nicht so starr und scharf erscheinen, und mutet gleichzeitig eine Tiefenschärfe an. Alternativ kannst du auch das Weichzeichner-Werkzeug manuell benutzen.
  • Optional kannst du nun deine Haarretuschen zu einer Ebene reduzieren. Auch kannst du die Retusche mit dem Freisteller auf eine Ebene reduzieren. Das bleibt dir überlassen. Vorteil ist, dass du für spätere Montagen nur noch eine Ebene importieren brauchst. Nachteil ist, dass du nichts mehr an der Retusche ändern kannst.

Tipp: Weniger ist bekanntlich mehr. Verzichte lieber auf eine oder mehrere Strähnen, wenn du sie nicht freigestellt oder nachgezeichnet bekommst. Niemanden wird später auffallen, ob etwas vom Original fehlt, wenn du die Kanten der Haare mit einigen Strichen „glättest“ und retuschierst.

Ganze Haarpartien selbst malen mit Standard-Pinselspitzen

In manchen Fällen kommst du nicht drum rum, ganze Haarpartien selbst zu malen, damit sie optimal freigestellt sind oder einen gelungenen Montage-Übergang schaffen. Besonders bei wild umherfliegendem langem Haar oder bei Kopf-Körper-Montagen, wo einfach nicht genug Bildmaterial zur Verfügung steht, musst du den Pinsel selbst schwingen. Komplette Partien selbst zu gestalten ist wohl die schwierigste Art, den Freisteller zu optimieren, doch mit ein wenig Übung und Konzentration kannst du tolle Ergebnisse erzielen. Mit einem Grafiktablet geht das besonders gut – mit der Maus ist es aber auch machbar.

Zwei freigestellte Fotos eines Pferdekopfes mit Mähne nebeneinander. Im ersten Foto ist der Freisteller nicht retuschiert, hier sieht die Kante der Mähne unnatürlich und abgehackt aus. Im zweiten Foto ist der Freisteller durch für die Mähne zusätzlich eingezeichnete Haare retuschiert.
Beispiel: Mähne direkt nach dem Freistellen (links), Mähne nachgemalt (rechts)

Vorbereitung und Grundierung

  • Wähle mit der Pipette einen mittleren Ton aus den vorhandenen Haaren aus. Nicht zu hell und nicht zu dunkel, um später Licht und Schatten hinzufügen zu können.
  • Öffne dir eine Ebene unterhalb des Freistellers und male eine Grundform der Haare mit einem mittelharten Pinsel. Wähle z.B. den Pinsel „Rund weich“ und stelle ihn auf eine Härte von 30% und einer Deckkraft von 100%. Wichtig hierbei ist es, sich nicht in Details zu verlieren. Du grundierst ja erst die Haare und gibst nur die Grundform wieder.
  • Wenn dir die Haarspitzen zu „wurstartig“ aussehen, franse sie mit einem spitzen Radiergummie aus (1-3 pt Größe).

Ausarbeitung und Details

  • Öffne dir eine neue Ebene über dem Freisteller und zeichne nun Schatten ins Haar ein. Du kannst dafür Strukturpinsel benutzen wie z.B. den Pinsel Kyles Paintbox – Gouache G Texture (erhältlich in der Adobe Pinselgallerie unter der Gruppe „Gouache“) oder du zeichnest mit einem sehr dünnen Pinsel einzelne Haare, so wie du es schon in der Aufgabe vorher getan hast. Wähle dafür eine Deckkraft von etwa 80%. Achte hier auf die natürliche Beleuchtung des Bildes. Ist das Gesicht z.B. von rechts beleuchtet, muss der Schatten nach links fallen. Die dunklen Farben malst du dann also hauptsächlich auf der linken Seite der Frisur und auch auf der linken Innenseite der Frisur rechts. Stelle dir die Haare wie eine plastische Form aus Ton vor.
  • Danach zeichnest du helle Highlights auf einer weiteren Ebene ein. Achte darauf, von wo das Licht kommt und wie die Struktur der Haare aussieht, die auf dem Originalbild zu sehen ist. Versuche, sie nachzuahmen. Diese Retuscheebenen dürfen und sollen auch über das Originalbild hinausgehen. Du musst also nicht an der Freistellerkante stoppen, sondern musst auch über das originale Haar malen, damit du einen fließenden Übergang von „echt“ zu „nachgemalt“ schaffen kannst.
  • Wenn das Konstrukt der Haare für dich stimmt, geht es nun an die Details. Wähle den hellsten Haarton aus dem Originalbild und gehe mit einem sehr feinen Pinsel an die Wölbungen, also die hellen Partien der Haare und zeichne mit deinem eigenen Handschwung einzelne Haare ein. Hierzu eignet sich ein harter runder Pinsel der Größe 1 pt mit einer Deckkraft von etwa 80 %. Zuerst malst du mehrere Highlights in der gleichen Richtung ein, die du bereits der gröberen Schraffur gegeben hast, dann auch einzelne in andere Richtungen. Haare sind nicht aalglatt, sondern stehen hier und da mal ab und fliegen durcheinander. Genauso gehst du auch bei den Schatten vor. Du zeichnest mit dem dunkelsten natürlichen Farbton erst mehrere Strähnen in ihrer Form nach, dann einzelne Haare, die aus der Reihe tanzen.

Abschluss

  • Anschließend gruppierst du alle Haarebenen (optional auch den Freisteller, wenn er noch unschöne Ecken hat) und öffnest dir eine Maske für diese Gruppe. Hier malst du mit einem schwarzen, rauen Pinsel (oder mit einem sehr dünnen Pinsel) realistische Strukturen ins Haar und vor Allem in die Haarspitzen. Du entscheidest nun mit der Maske, wie genau die Strähnen fallen und wie dünn oder dick sie sein sollen. Orientiere dich  an weiteren Fotos der Person, um eine Idee zu bekommen, wie ihre Haare natürlich fallen. Oder schaue dir inspirierendes Haar im Internet an, um ein Gefühl für ein realistisches Aussehen zu erhalten.
  • Das fertige Haar kannst du nun in der Gruppe gesondert vom Rest des Freistellers lassen, um später vielleicht noch Änderungen zu machen oder du reduzierst die Gruppe auf den Freisteller, um ihn später als ein Ganzes zu benutzen. Bedenke aber, Änderungen an den Haaren können nach Ebenenreduzierung nur noch schwer vorgenommen werden.

Konkretes Anwendungsbeispiel:

Hair-Brushes benutzen

Es gibt auch vorgefertigte Brushes für gesamte Haarsträhnen, die du kostenlos im Internet runterladen kannst. Solche eignen sich hervorragend für Verlängerungen von Haaren oder für glaubhafte Übergänge von Kopf-Körper-Montagen. Achte bitte darauf, was die Bedingungen der Benutzung solcher Brushes sind, falls du das Ergebnis später posten oder gewerblich verwenden möchtest. Oft wird wenigstens die Creditangabe des Urhebers verlangt.

Eine Auswahl von verschiedenen Pinselspitzen in Form ganzer Haarsträhnen.

Tipp zum Installieren von Brushes:

Die Pinsel werden üblicherweise verzippt geliefert. Um die Pinsel zu installieren musst du die Datei entpacken. Du siehst dann eine ABR-Datei. Diese fügst du dem Pinselpreset von Photoshop hinzu.

Pfad ist wie folgt: C:\Programme\Adobe\Photoshop\Presets\Brushes.

Mac-User benutzen diesen Pfad: /Users/[Dein Nutzername]/Library/Application Support/Adobe/Adobe Photoshop CSx/Presets/Brushes.

Danach startest du Photoshop und öffnest die Pinselübersicht. Wenn deine neuen Pinsel nicht automatisch erscheinen, klickst du auf das Rädchen oben im Reiter. Der Name der Pinseldatei sollte nun in dem Dropdown unten stehen – hier klickst du drauf und bestätigst den Dialog.

Wenn die Pinseldatei nicht in dem Dropdown erscheint, schließe Photoshop und öffne es erneut. Die Presets werden dadurch neu geladen und stehen dann zur Auswahl.

Ein Screenshot von Photoshop, der den im Text beschriebenen Pfad zur Auswahl der Pinseldatei zeigt.

Öffne dir eine neue Ebene, damit du das Original-Bild nicht beschädigst. Brushes, die ganze Haarsträhnen darstellen, benutzt du am besten wie einen Stempel. Färbe dazu den Pinsel in die Farbe, die die Haare auf dem Foto haben. Je nach Detailgrad kannst du eine Strähne mit 100% Deckkraft benutzen oder mehrere Strähnen leicht versetzt mit geringerer Deckkraft.

Damit nicht jede Stelle der Retusche gleich aussieht, bietet es sich an, mehrere Brushes zu verwenden. Achte aber darauf, dass sie von der Art her ähnlich sind und einen ähnlichen Schwung und Detailgrad haben. Mehrere grundverschiedene Pinsel kombiniert würden das gemalte Haar unrealistisch aussehen lassen.

Einige Brushes haben einen eckigen Ansatz. Dieser dient zur Auffüllung von fehlenden Partien. Wenn du weniger Fläche in deiner Retusche auffüllen möchtest, dann entferne alles Störende mit einem feinen Radiergummi oder mit einer Ebenenmaske.

Konkretes Anwendungsbeispiel:

Vorbereitung und Grundierung

Bei diesem Beispiel siehst du zwei Probleme – einmal musst du die Haare verlängern und möglichst realistisch enden lassen und zum Zweiten musst du auch den Hintergrund des Bildes verlängern. Hintergründe verlängern geht ganz einfach. Schaue dazu in diesen Tool-Tipp rein, hier erfährst du alles, was du zum Strecken von Hintergründen wissen musst. Bei diesem Bild ist es klug, den unteren Bereich mit der „Inhaltsbasierten Füllung“ zu erweitern und den oberen Bereich manuell mit Pinsel und Pipette. Ansonsten hätte nämlich die K.I. Teile der Haare genommen, um den Hintergrund zu erweitern, was nicht so schön wäre.

Ausarbeitung und Details

Sobald du mit dem Hintergrund zufrieden bist, kannst du dir eine neue Ebene öffnen, auf der du mit passenden Brushes die fehlenden Haare ergänzt. Wähle Farben der Haare mit der Pipette – fange am besten mit einem Mittelton an. Je mehr verschiedene Variationen an Brushes du benutzt, desto realistischer wird das Ergebnis aussehen. Die im Beispiel verwendeten Pinsel sind kostenlos und von Lpdragonfly. Vergrößere, verkleinere, drehe und spiegele bereits benutzte Brushes, damit keine verdächtigen Doppelungen in der Frisur entstehen, die unrealistisch aussehen könnten.  Male ruhig mit den Brushes über die „Haarkante“ des originalen Bildes (auf der neuen Ebene, bitte nicht auf dem Originalbild).

Öffne dir dann eine andere Ebene und wähle den dunkelsten Ton der Haare. Stemple nun dunkle Bereiche mit passenden Brushes. Benutze verschiedene Werte der Farbdeckkraft, um eine natürliche Dynamik zu erzeugen.
Nach diesem Prinzip malst du auch die Highlights der Haare auf einer extra Ebene ein.

Abschluss

Abschließend öffnest du dir auf jeder Haarebene eine Maske und arbeitest einen natürlichen Übergang von deiner Retusche und dem Originalfoto heraus. Du kannst ebenfalls Brushpinsel für die Maske benutzen. Feinheiten wie einzelne Haare malst du mit einem harten 1 pt Pinsel auf einer neuen Ebene ein. Beobachte das Originalhaar. Wie sind hier die Details? Versuche, diese Struktur auf deine Retusche zu übernehmen und zeichne ruhig großzügig über die „Haarkante“ hinaus, damit du einen fließenden Übergang von Retusche und Foto schaffst.

Brushes und Pinsel drehen und bearbeiten

Bestehende Pinselspitzen können verändert werden. Das ist gerade bei vorgefertigten Brushes nützlich, die ganze Strähnen darstellen. Dazu klickst du auf das Ordner-Icon neben der Pinselspitzenauswahl – oder du suchst oben im Reiter „Fenster“ nach „Pinseleinstellung“. Es öffnet sich ein Fenster, in dem du jetzt verschiedene Einstellungen an deiner Pinselspitze vornehmen kannst. Du kannst den Abstand des Auftrags, den Winkel der Spitze, die Größe, Rundheit, die Achse und Effekte verändern. Photoshop zeigt dir in der Vorschau, wie der Pinsel aussehen wird, doch am besten probierst du ihn einfach auf einer Übungsebene aus. Wenn du diesen Pinsel immer wieder benutzen möchtest, dann speichere dir ihn mit dem Plus ab.

Wenn du ein Adobe-Konto besitzt, kannst du dir eine Reihe kostenlose Pinselspitzen downloaden. Mit etwas Geschick lassen sich Kreuzschraffuren in kurzes, borstiges Haar umwandeln. Mit Harkenpinseln kannst du dichte, lange Haarstrukturen erstellen und auch die Mangapinsel bieten nützliche Spitzen. Mit diesem Link kommst du zu Adobes Pinsel-Übersicht: https://www.adobe.com/de/products/photoshop/brushes.html

Tipp: Für kurzes, glattes Haar oder eine Felloptik eignet sich die Pinselspitze „Kyles’s Manga – FX Burst 1″. Stell dir eine geeignete Größe ein und neige den Winkel auf etwa 45° mit einem Abstand von 5%. Verringere die Deckkraft auf etwa 20% und male dein Haar in eine Richtung. Du kannst mehrere Farbnuancen in verschiedenen Winkeleinstellungen auftragen, um die Struktur dichter und echter aussehen zu lassen. Bei diesem Pinsel ist es wichtig, lediglich in eine Richtung zu malen. Durch Malen in die entgegengesetzte Richtung auf einer Stelle trägt Photoshop die Unterseite des Pinsels auf und lässt das Haar plattgedrückt wirken.

Ein Screenshot eines Beispiels der Pinselspitze „Kyles’s Manga – FX Burst 1″ in Anwendung mit dem Fenster "Pinseleinstellungen".
Kyles Mangapinsel bieten auch Möglichkeiten kurzes Haar zu zeichnen

Du kannst dir auch eigene Pinselspitzen herstellen und abspeichern. Wie das geht, siehst du in dem nächsten Tool-Tipp – Pinselspitzen für Photoshop selbst herstellen.

Foto-Credits: Pixabay: Engin_Akyurt, Alexas-Fotos, RyanMcGuire